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Jungvater Köster

Mit der Wehe arbeiten. Nicht zu heiss baden. Ovambo-Vanille nachschenken. Der Vater des kleinen Konrad kämpft um seine Würde.

Philipp Köster jungvater
Am 30. Dezember 2003 ist Konrad geboren. Zwei Wochen vor dem Termin. Und auch sonst ist wenig so gelaufen, wie es die Theorie vorsieht. Dabei waren wir eigentlich perfekt vorbereitet auf das Wunder der Geburt. Gestählt durch unzählige Anrufe beider Mütter („Nicht zu heiß baden, das Kind“), die Lektüre einschlägiger Ratgeber („Mit der Wehe arbeiten“), vor allem aber durch den Besuch des gefürchteten Vorbereitungskurses. Das heißt, eigentlich wollte ich ja überhaupt nicht hin, weil ich ja schon alles wusste, aus den Ratgebern und von den Müttern.

Dann aber schaute Anne so, wie Frauen eben so schauen, wenn sie meinen, dass man zu wenig fürs Familienglück tut, und ich unterschrieb murrend einen Knebelvertrag mit dem Geburtshaus nebenan. Allerdings mit einer kleinen Einschränkung:

„Schätzchen“, stellte ich klar. „Weil ich kein werdender Rabenvater sein will, komme ich mit. Aber ich mache keine Übungen mit, bei denen du auf einem Gummiball hockst, ich deinen Hintern schüttele und wir beide im Chor ,Hohoho’ rufen.“ Sowas in der Art hatte mir nämlich ein Freund erzählt, der schon einmal so einen Kurs mitgemacht hatte. Nicht erzählt hatte mir der Freund allerdings, dass es auf solchen Kursen nichts Ordentliches zu trinken gibt. Ich hatte ja gedacht, wir Jungs könnten uns an der Theke ein kühles Bierchen genehmigen, während sich die Damen vorbildliches Atmen und Pressen erklären lassen.

Stattdessen gab es nur jede Menge absurde Teemischungen von Ovambo-Vanille bis Apfel-Zimt, außerdem waren die anderen Herren schwer interessiert an Atemtechniken, und es gab auch gar keine Theke. Mir blieb also nichts anderes übrig, als mich auch auf die Matratzen fallen zu lassen und so unglaublich liebevoll-liberal dreinzuschauen wie die ganzen anderen Väter in spe. Dann ging es los. Erst kasperte die Hebamme vorne herum und machte eine Wehe vor, dann durfte man noch mal Ovambo-Vanille nachschenken. Ich fühlte mich da schon ausreichend informiert. Dummerweise ging der praktische Teil erst jetzt richtig los. Erst mussten wir Tücher schwenken, dann rollte die Hebamme doch tatsächlich die verfluchten Gummibälle herein. Spätestens jetzt hätten wir Männer eine Menschenkette gegen entwürdigende Übungen bilden müssen.

Aber dummerweise saß Anne gleich als Erste auf dem Ball und wippte erwartungsfroh. Nun wollte ich die Lebensgefährtin nicht brüskieren, rüttelte also hilflos an ihrem Hintern herum und rief mit den anderen Kursteilnehmern im gemischten Chor: „Hohoho.“ Anne kicherte verlegen, ich lief rot an. Dass während dieser Übung eine Gruppe Halbwüchsiger am Fenster vorbeikam, die Nasen an der Scheibe platt drückte, grölte und wilde Grimassen schnitt, machte es nicht einfacher.

Zwei Wochen später kam Konrad zur Welt. Mit Blasensprung, Blaulicht und burschikosen Hebammen. Alles ganz anders als in der Theorie.

Und am Silvesterabend saßen wir auf dem Bett im Krankenhaus, stießen auf das neue Jahr an und riefen noch einmal kurz „Hohoho.“ Dann kicherten wir. Aber nur ganz leise. Wir wollten den kleinen Konrad ja nicht aufwecken.

Der Autor ist Chefredakteur des Fußballmagazins 11 Freunde.

Bisher erschienene Kolumnen von Philipp Köster finden Sie hier.



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